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Freitag, 1. Februar 2013

Aufbauarbeit im Libanon

BEIRUT/BRAUNSCHWEIG. Es ist der Traum eines jeden Fußball-Torwartstrainers, einmal in seiner Laufbahn eine Nationalmannschaft zu trainieren. Für Christian Schweichler ist dieser Wunsch in Erfüllung gegangen. Sein Team ist nicht etwa das von Deutschland, Österreich oder der Schweiz sondern die libanesische Nationalmannschaft. Was sich im April diesen Jahres, als Riesenherausforderung und großes Abenteuer angekündigt hatte ist mittlerweile zu einer Erfolgsstory geworden. 

Über Viertausend verletzte und 1900 getötete Menschen. Zudem eine Vielzahl von zerstörten Städten und Dörfern. Auch sechs Jahre nach dem Ende des Libanonkriegs sind die Folgen und die Erinnerungen noch immer den Köpfen der Libanesen. Doch mittlerweile kehrt die Freude in das Land am Mittelmeer zurück. Grund dafür, ist ihr ganzer Stolz, die Fußball-Nationalmannschaft. Das Team, das vom Deutschen Trainers Theo Bücker trainiert wird, steht in der letzten Qualifikationsrunde zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Dass der libanesische Fußballverband das Ziel und vor allem „ihren Traum“, Brasilien, unbedingt erreichen möchte, beweißt die Tatsache, einen professionellen Torwarttrainer einzustellen. Nach langer Suche fanden die Verantwortlichen, im über 3100 Kilometer entfernten Mülheim an der Ruhr, mit Christian Schweichler ihre „Wunschlösung“. In Deutschland ist der 34-Jährige noch ziemlich unbekannt, dabei genießt er auf dem afrikanischen Kontinent einen guten Ruf. 2010 feierte er mit dem sudanesischen Erstligisten Al Merreikh Omdurman den Pokalsieg und die Qualifikation zur afrikanischen Champions League. Nun, zwei Jahre später, folgte der nächste Schritt auf seiner Karrierestufe nach oben. Einen Schritt, den der sympathische Glatzenträger bis heute nicht bereut und als Riesenanreiz sieht. „Eine Nationalmannschaft zu trainieren ist immer reizvoll. Ein solches Angebot erhält man nicht alle Tage“, betont der 34-Jährige und schiebt nach. „Ich möchte mit dem Aufbau einer Torwartakademie, Strukturen zu schaffen, die das Torwartspiel im Libanon langfristig auf ein höheres Niveau heben“, gibt Christian Schweichler als sein Ziel aus. Dass der Stellenwert der libanesischen Fußballnationalmannschaft von Jahr zu Jahr wächst, beweißt die Tatsache das mit Roda Antar (ehemals SC Freiburg) und Youssef Mohamad (ehemals 1. FC Köln) zwei Ex-Bundesligaspieler im Nationalkader stehen. Zudem verdienen mit Adnan Haidar (Stabaek IF) und Hassan Saad (Kansas City) zwei Nationalkicker ihr Geld im Ausland. Mit Keeper Abbas Hassan (IFK Norrköping) steht ein weiterer Nationalspieler im Ausland unter Vertrag. Der 27-Jährige Leistungsträger wird in seiner Heimat als großes Idol gefeiert. Dank seiner starken Leistungen wurde der Torwart bereits vom englischen Meister Manchester City zum Probetraining eingeladen. Auch wenn die Libanesen, mit Abbas Hassan über einen guten Schlussmann verfügen, sieht Christian Schweichler bei der Torwartausbildung Nachholbedarf. „Die Ausbildung junger Talente lässt leider generell auch im arabischen Raum noch immer zu wünschen übrig. Die ideale Ausführung torwartspezifischer Grundtechniken, stellt viele Keeper vor große Probleme“, betont der studierte Sportwissenschaftler. Seinen Lebensmittelpunkt hat der Torwarttrainer mittlerweile komplett nach Vorderasien verlegt. „Ich wohne in einem Vorort von Beirut und habe das Glück in meiner Freizeit eine Menge über das Land und seine Kultur lernen zu dürfen. Speziell Beirut ist mit seinen vielen kulturellen und gastronomischen Angeboten ein Ort, der viele Menschen aufgrund des hohen Lebensstandards anzieht“, erklärt der Mülheimer, der die Libanesen als sehr gastfreundliche Menschen kennengelernt hat. „Die Mehrheit der Menschen im Libanon ist weltoffen und pflegt einen westlichen Lebensstil. Dennoch ist die Gesellschaft natürlich arabisch geprägt“, so Christian Schweichler, der mit „seinen Libanesen“ im nächsten Jahr die „WM-Quali“ schaffen möchte. „Wir werden alles daran setzen, dass wir uns unseren Weltmeisterschaftstraum erfüllen. Das haben sich die Menschen im Libanon verdient.“ 

Von Henrik Stadnischenko 

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